Wenn das Weltlall heute implodiert wäre, liebes CERN, dann wären wir möglicherweise morgen im Sporeuniversum aufgewacht. Das ist schon jetzt 10x größer als die Wirklichkeit und dreißtausendmal lsdfarbenfroher.
- Was Kreationisten nicht so gut finden: Gott spielen. Lieblingszitat vom Antispore - Blog: It seems Will has suddenly switched gears from evolution to creation and is trying to say that in 18 days, Spore users did what God did in 7. So all of spore users add up to 38% of God.
- Wer männlich, weiß, deutsch, wahlweise arm- oder beinamputiert und Ende September in Berlin ist, kann sich als Bastard casten lassen. Und neben Til Schweiger und Daniel Brühl Nazi spielen. Bzw. neben Brad Pitt und Quentin Tarantino: Einladung
- Hör ich seit dem 26. Juli jeden Tag mindestens dreimal: Audrey aus Schweden. Trifft mich gerade mehr als alles andere. Also musikalisch. Auf myspace.
- Auch wenn es schon losgegangen ist, gelacht habe ich dennoch: Vorschau
- Wieder eine Lieblingsband in digital, diesmal Bloc Party: Am 21.8. August erscheint „Intimacy“ und erstmal nur virtuell. Greifbar wird es dann im Oktober und das ist ein guter Grund, endlich doch mal das sagenhafte Video zu „Mercury“ zu zeigen.
- Draco and the Malfoys und Mitternacht vor der Buchhandlung. Eine Dokumentation über Fans von Harry Potter: We Are Wizzards
- Weil ich Sigur Ros in den letzten Wochen zweimal knapp verpaßt habe, ist dies ein kleiner Trost: Live at MOMA
- Achja, leben in 140 Zeichen: Zwitschern. Natürlich erstmal Ruhe bis Ende August.
- Und: Ab Donnerstag wird es an folgender Stelle (wieder) Fernsehvorschläge geben. Herzrasen
Wäre der amerikanische Tischtennisspieler Glenn Cowan an einem Apriltag des Jahres 1971 im japanischen Nagoya nicht in den falschen Mannschaftsbus gestiegen, sähe die Welt heute anders aus und die Olympischen Spiele 2008 würden wahrscheinlich nicht in Peking ausgetragen werden.
Von diesen Olympischen Spielen werde ich nicht so viel mitbekommen, möglicherweise aus Desinteresse. Dafür aber viel darüber lesen. Vor allem dies hier:
Optimistisch hatte ich wenige Einträge zuvor angekündigt: „Das Blog schweigt! Zwei Wochen lang.“ Dann ist plötzlich Ende Juli und irgendwie mehr passiert, als man hier ahnen könnte. Es ist nicht so, dass ich nichts zu (be)schreiben gehabt hätte. Eher im Gegenteil. Die letzten Wochen waren durchaus sehr aufregend, voll von Musik, Eindrücken und neuen Gedanken. Sicher hätte ich kleine Anektoden verfassen können oder das Blog als LOGBuch im eigentlichen Sinn verwenden und tägliche Zustandsbeschreibungen aus anderen Welten geben können. Andererseits: Warum? Wäre das nicht wie das Anschauen von Urlaubsdias gewesen? Irgendwie interessant, aber hauptsächlich für jene, die dabei waren? Hätten sich die Erlebnisse überhaupt nachvollziehbar schildern lassen? Möchte ich überhaupt, dass im Internet ein relativ detaillierter Einblick in mein Leben steht?
Die Antwort darauf fällt leicht und ist nicht mal als Entschuldigung für die wenigen Einträge gemeint. Hinzu kommt, dass die wirkliche Welt Zeit von der anderen nimmt und Dinge, zu denen ich mich sonst gerne geäußert hätte, nur am Rande stattfinden. Ich hätte auf das unglaubliche neue BlocParty-Video hinweisen können oder das offensichtliche Desaster des diesjährigen MELT!-Festivals, vielleicht davon geschrieben, wie aufregend es war, beinahe stündlich die Einspielergebnisse des neuen „Batman“-Films zu verfolgen oder vom besten Buch, was ich seit einem Jahr gelesen habe, darüber wie aktuelle Serien Zeit in ihren Geschichten verwenden.
Erschien jedoch alles irgendwie nicht relevant genug zum Aufschreiben. Was seltsam ist, weil, wenn Forscher in 150 Jahren meinen Blog analysieren, werden sie feststellen, dass die letzten Wochen nichts ging. Ging aber. Halt nur für mich.
Das Tier stirbt langsam! Trotzdem Hoffnung! Herrenmagazin - Atzelgift
Da war mal ein Gefühl. Riesengroß und gewaltig, dass einem fast die Luft nahm. Eine eigene Welt, in der man selbst Mittelpunkt war. Ein Basslauf, zwei gezupfte Töne auf der Gitarre, dazu genau die Worte, die man immer im Kopf hatte, die aber auf dem Weg nach außen verloren gingen. Ein Gefühl. War mal. Leben kam dazwischen und dort ist kein Platz mehr dafür, denn auf xing haben nur die Eintragungen im Menüpunkt „Berufserfahrung“ Relevanz und die Inflation erreicht auch den Bäcker um die Ecke. Gedanken über Singlekrüstchen und die eigene Identität wird mit der Neon und den Followern bei Twitter abgeglichen. Ein ganz normales Leben also. Und dann kommen Herrenmagazin.
Dabei macht die Band erst mal alles falsch. Gibt sich einen unsympathischen Namen, benennt ihr Debüt kryptisch, aber wenig originell nach einem Ort, druckt aufs Cover das Bild von kaffeekränzchenabhaltenden Senioren, kommt irgendwie aus dem Intro / Kettcar / Hamburgumfeld, was die Vermutung nahe legen könnte: Klüngel statt Können. Dann aber: ein Basslauf, zwei gezupfte Töne, die Worte, die schon immer zu sagen waren: ein selbstgeschnitztes Leben / aus einem Block morschem Holz / es bricht bei jedem Schlag dagegen / ein Stück davon heraus.
„Der langsame Tod eines sehr großen Tieres“ heißt dieses Lied und klar: es geht um die Zeit. Und was in ihr verloren geht. Ideale zum Beispiele, Vorstellungen, Ziele. Kompromisse machen und am Ende den aufrechten Gang verlieren. Sich hinten anstellen, weil man für vorne doch zu langsam war. Trotzdem weitermachen müssen, ein ganzes Leben lang. Dieses sehr große Tier bin ich und bist du und deine zehn Topfreunde auch. Jeder von uns. Das ist Pathos und könnte in den Händen von BAP zum Beispiel oder Klee Musik werden, aus denen Lebensweisen tropfen, zu denen man nicht im Takt kotzen möchte. Herrenmagazin hingegen glaubt man. Die Attitüde, die keine ist. Die Pose, die ich von meinem Spiegel bin in den wenigen Momenten, in denen ich mir einen Blick auf mich selbst gestatte.
„Früher war ich meistens traurig“ singen sie und es klingt nicht so, als ob die Gegenwart besser wäre. Reflexion, Erkenntnis, Gewöhnung, das eigene Zentrum als deplaziert erkennen und dennoch keinen Zentimeter abdrücken können. Die eigene Untätigkeit verdammen, dabei gleichzeitig auf unendlich viele Vollidioten blicken, sich abgrenzen und sich gleichzeitig über diese Abgrenzung lustig machen. Das können nicht viele deutsche Bands mit Würde. Mit den richtigen Songs. Über Selbstmitleid zu singen, ohne den Beat vor der Tür vergessen. Irgendwann zwischendurch trotzig feststellen: gerade jetzt gefällt mir das Leben.
Da ist es wieder dieses Gefühl, atemnehmend, welterschaffend, vertraut und gleichzeitig wie das Echo aus einer Zeit, die eigentlich gar nicht mal so weit entfernt liegen kann. Was mir passiert ist / wird mir nie irgendjemand glauben singen Herrenmagazin in „Kein bisschen aufgeregt“. Doch. Es ist ja auch uns passiert.
Super find ich ja These New Puritans. Deren Debüt "Beat Pyramid" läuft seit Wochen auf sämtlichen verfügbaren Geräten, die Musik abspielen. Highlight ist da alles, ganz besonders aber die oft wiederholten Texte aka. Slogans. Die fünf Besten, die sich regelmäßig zu skandieren lohnen, stehen hier:
dummy, das kluge, monothematische Heft, wollte was riskieren: ein Themenheft namens NEGER. Zitat: Ein Magazin voller Geschichten über Schwarze, über black culture, Malcolm X, Obama, HipHop, Roberto Blanco, den Sarotti-Mohr, über Rassismus und Afrika. 138 Seiten black power.
Dann aber diverse Wutmails, Diskussionen und zahlreiche Kommentare, deren Bandbreite von bedingungsloser Unterstützung bis hin zu verständnisloser, empörter Ablehnung reichten. Alles live im Blog, darunter auch verschiedene Alternativtitel wie zum Beispiel Das schwarze Album. Letztenendes die Entscheidung gegen NEGER, dafür nun KAFFEEBRAUN. Oder so. Zehnmal begründet, darunter auch: weil es wohl doch nur Helmut Schmidt nicht übel genommen wird, das Wort in den Mund zu nehmen
Sicher die bessere Entscheidung, weil Ziel der Themenausgabe ja nicht die etymologische Geschichte des Wortes und dessen wandelnde Rezeption in der Gesellschaft sein soll, sondern von Obama über den Sarotti-Mohren bis hin zu Roberto Blanco erzählt und da als Klammer "Neger" zu benutzen erscheint irgendwie nicht weit genug gedacht. Oder zu weit. Jenachdem.
Wer noch gute Argumente über die Benutzung des N-Worts braucht, findet sie hier.