Neues vom Bahnfahren (I)
Hinfahrt: RB, ein Abteil, einige Ramafrühstücksfamilien, SilverPeople und sonst hauptsächlich St. Pauli Fans, die zum Spiel nach Jena fahren. Der übliche Geruch von Schweiß und Dosenbier, und die übliche Randale und Treten gegen Toilettentüren.
Rückfahrt:Schienenersatzverkehr in Gößnitz. Der angekündigte Bus nach Gera dreht vor der vom Bahnhofsvorplatz einsehbaren Brücke um. Als ein zweiter Bus, der nach Ronneburg fährt, den Bahnhofsvorplatz passieren will, stellt sich ein weißhaariger Mann (Typ: Architekturprofessor) vor den Bus und hebt die Arme. Seine Augen und die des Busfahrers messen sich minutenlang, eine Gruppe nach Westdeutschland Reisende schwenken ihre tschechischen Biere und applaudieren. Der Busfahrer verlässt seinen Bus und merkt an, dass er mit dem Nichterscheinen des 1. Busses nicht zu tun habe und im übrigen weiterfahren müsse. Der Architekturprofessor fordert ihn auf, Verantwortliche zu kontaktieren, lautstark. Kehrt dann aber ins Glied zurück.
Ein Mittedreißiger, (Typ: NeunLiveQuizmoderator), meint zum Busfahrer, dass er gerne so wie alle hier weitermachen solle, so wie alle Ostdeutschen, einfach immer auf der gleichen Spur bleiben. Und der Bahnhofsvorplatz sieht genauso aus wie damals nach dem Krieg, hier habe sich überhaupt nichts verändert. Seine Frau versucht „Stefan“ zu beruhigen, „Stefan“ lässt das nicht zu, sondern schüttelt sein tschechisches Bier auf und bespritzt damit den wegfahrenden Bus. Währenddessen telefoniert ein anderer Reisender mit der Servicenummer und zehn Seiten weiter in der „Die Vermessung der Welt“ kommt der Ersatzbus.